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Dienstag, 21. Dezember 2010

Amritsar!!

Wir sind jetzt schon seit knapp zwei Wochen wieder im „Ländle“. Ich wurde mehrfach angesprochen, doch auch noch das letzte Kapitel der Reise zu beschreiben. Nun hier kommt’s.

Nach unserer Trekkingtour in Sikkim haben wir uns noch 2 Tage in Darjeeling erholt. Wir sind bei T-Shirt Temperaturen tagsüber in der der Sonne zwischen Teeplantagen rumgelaufen, haben schwarzen Tee mit Milch (Darjeeling First Flush..sehr lecker) in der Sonne getrunken und waren zum Weihnachtsshopping -smile- unterwegs gewesen. Dieses Shopping war aber deutlich stressfreier als in Deutschland, da wärmer, weniger Leute etc.

Von Darjeeling fuhren wir in einem Shared-Taxi nach Bagdogra zum Flughafen. Von hier wollten wir nach Delhi und weiter nach Amritsar fliegen.

Die Fahrt verlief sehr amüsant. Wir hatten uns eine ganze Sitzreihe gemietet und konnten die Fahrt ohne die Enge indischer Menschen rechts und links von einem genießen. Im Jeep saß ein ehem. hoher Offizier der indischen Armee, der als freiberuflicher Berater (Zusammenarbeit öffentlicher Stellen mit Medien) fungierte und der wohl bei einem Führungskader der Armee ein Seminar abgehalten hatte.

Mit diesem haben wir uns ein paar Stunden sehr gut über die Unterschiede Indien/Deutschland und den Indier/den Deutschen an sich unterhalten. Ich denke beide Seiten haben hier sehr viel über das andere Volk gelernt und interessante Einsichten gewonnen.

In Amritsar hatten wir uns schon von Darjeeling aus ein sehr gutes Hotel gebucht, dass zum einen Zentrumsnahe und zum anderen allen Luxus bieten sollte, den man von einem 5 Sterne Haus erwarten kann.

Nun, ich sag´s mal so.. wir wurden nicht enttäuscht.

Der goldene Tempel von Amritsar – stellt das höchste Heiligtum der Sikhs dar. Die Sikhs stellen mit 3 - 5% der Bevölkerung Indiens einen eher geringen Anteil dar. Die meisten Leute dort sind halt Hindus.

In den Tempel/das Gelände, gelangt man nur barfuss. Die Schuhe werden in einem Schuhraum gegen eine Pfandmarke abgegeben. Man muss noch ein Wasserbad (ähnlich wie in einem deutschen Freibad, wenn man ans Becken will) schreiten, sich noch eine adäquate Kopfbedeckung aufsetzen (es stehen große Tonnen mit orangenen Mützchen und Tüchern zur Verfügung) und unter den Augen der strengen Tempelwächter eine Tür passieren – und dann ist man drin…in der Tempelanlage von Amritsar.

Der Besucher stellt fest, dass er auf weißem und schwarzem Marmor läuft, der sich je nach Tages- und Jahreszeit, angenehm kühl bis heiß anfühlt. Auf jeden Fall aber fühlt man dass hier zig tausende Menschen vor Dir hier gingen. Ein Ort mit einer unglaublichen Ausstrahlung.

Über eine Marmortreppe gelangt man abwärts auf die Niveauhöhe des heiligen Sees. Die Tempelanlage ist rechteckig – ähnlich eines Fußballplatzes aufgebaut – und dürfte so 350 x 150m haben.

Gebäude befinden sich nur an den Seiten – zur Mitte ist die Anlage offen. Hier ist der heilige See, in welchem die Sikhs baden oder dessen Wasser trinken. In der Mitte des künstlichen Sees, in welchem große Karpfen schwimmen, befindet sich eine ca. 20x20m große Insel. Hier steht der eigentliche goldene Tempel.
Die Insel ist über einen ca, 5m breiten Steg (Marmor) zu erreichen. Wenn man frühmorgens (so wie wir) dorthin geht, und das WE meidet, dann kann man ohne Wartezeiten ins Allerheiligste gehen. Ansonsten steht man bestimmt 1h an.

In dem Tempel der total vergoldet ist, sitzen 8 Musiker die den ganzen Tag eine sehr entspannende und mystische Musik produzieren. Diese wird per Lautsprecher auf der ganzen Anlage übertragen. Sich einfach ans Seeufer zu setzen und der Musik zu lauschen, die Leute zu beobachten und seine Gedanken schweifen zu lassen, hat etwas sehr entspannendes an sich.

In der Tempelanlage kann man auch essen. Es gibt eine Großküche, die für alle Pilger kocht. Das Essen ist frei. Für die dortigen Pilger gehört so ein Essen, nebst einem Schluck aus dem heiligen See zur Pilgerreise – erst dann ist alles perfekt!

Es ist auch möglich gegen eine geringe Gebühr in einem Haus auf der Tempelanlage zu übernachten. Hat bestimmt auch was an sich – aber manche Sachen müssen auch nicht sein…
Sogar einen eigene TV Station gibts auf dem Gelände, welche 24h am Tag sendet.

Am Abend/in der Nacht wird der Tempel dann angestrahlt und ein zweiter Besuch zeigt einem ein völlig anderes Gesicht der Anlage wie man bereits gesehen hatte.

Dieser im Scheinwerferlicht angestrahlte goldene Tempel unter Vollmond und Sternenhimmel, inmitten eines nun pechschwarzen Sees, umrahmt von der Musik der Musiker, welche in dem Tempel sitzen (siehe oben) ist ein Eindruck/Bild, den ich nicht mehr vergessen werde.

In der Tempelanlage finden sich überall im Marmor Inschriften und Gedenksteine, wo Personen oder Institutionen Verstorbenen gedenken.
Man findet hier sehr viele Steine der indischen Armee, welche gefallenen Kameraden in einem der drei indisch/pakistanischen Kriege gedenken. Aber auch Steine aus jüngster Zeit, in welchen die Feindschaften und blutig zurückgeschlagenen Grenzscharmützel zwischen Indien und Pakistan sich widerspiegeln. Hier wird einem bewusst, dass doch auf der Welt ständig Dinge passieren, die trotz Internet und Medienpräsenz an der Weltöffentlichkeit vorbeigeht. Für die Region hier..ein Pulverfass…und beide Länder haben nukleare Waffen….

Was man auch unbedingt sehen muss ist die abendliche Schließung der indischen/pakistanischen Grenze bei Waoka. Amritsar befindet sich ca. 30km von der pakistanischen Grenze und 45km von Laore in Pakistan entfernt.

Allabendlich wird an der Grenze um 17h der Laden dicht gemacht und das ganze als Propagandavorstellung von beiden Ländern genutzt.

Beide Seiten karren Busladungen von Menschen zu dem Ereignis. 500m vor der Grenze muss man aussteigen und zu Fuß gehen. Taschen darf man – aus Angst vor Anschlägen – nicht mitnehmen. Gegen eine Gebühr werden diese von Standbesitzern an der Straße aufbewahrt.

Man wird abgetastet - Frauen und Männer getrennt. Sehr witzig zu sehen, wie die indischen Frauen unter ihren Saris versuchen ihre Taschen mitzunehmen und zu geizig waren die Gebühr für die Aufbewahrung zu bezahlen.
Die Grenzpolizistinnen machen hier kurzen Prozess. Sie haben die Taschen nach Räumung des Inhalts (Handy, Geldbeutel etc.) einfach über den Stacheldrahtzaun ins Niemandsland geworfen :-) da war ein Geschrei bei den „Indischen“…

Um 17h geht’s dann los. Eine Ehrengrade öffnet und schließt das Tor dreimal. Man begrüßt und verabschiedet sich mit Handschlag unter den Ländern. Auf beiden Seiten gibt es „Einpeitscher“ welche die Leute zu Sprechgesängen und Geschrei animieren.

Es kommt einem vor, dass wenn Pakistan laut schreit…Indien lauter antworten muss. Pakistan muss dann noch einen draufsetzen etc…

Das hört sich so an… Indien: bla bla bla…“Rinderwahn“…alle: Hindustan (3x das ganze..)

Dann Pakistan: bla bla bla… „ Rinderwahn“ (so hab ich es verstanden..) alle: Pakistan (auch 3x)

Ich muss aber sagen, dass die Pakis die bessere Show gemacht haben, auch wenn einer ihrer „Elitesoldaten“ vor lauter Eifer ausgerutscht ist und auf die Schnauze fiel. Die ganzen Inder haben ihn natürlich ausgebuht.

In Amritsar gibt es ebenfalls dank der Nähe zu Kaschmir, Wollprodukte aus Kaschmirwolle zu kaufen. Nun – was liegt näher sich hier einmalig mit Kaschmirschal einzudecken…

Zumal wir ab Delhi für den Rückflug 40kg pro Person an Gepäck mitnehmen durften.

Rückflug: Ein anderes Thema…. Wir flogen mit Kingfisher… Die erste Maschine kam erst gar nicht bis Amritsar, sondern blieb gleich in Delhi auf dem Flughafen stehen. Die zweite Maschine blieb in Amritsar stehen (Propeller am Arsch). die dritte Maschine war hoffnungslos überbucht – klar die Leute aus den beiden anderen Maschinen wollten ja auch wieder weg.

Es fanden nette Szenen in der Abflughalle statt, die einem Aufschluss über die indische Seele gaben. Es gehört wohl dazu, dass man einen armen Flughafenmitarbeiter zu 30 umringt, engst umringt und von allen Seiten auf ihn einschreit J Viele Leute verpassten ihre Anschlussflüge nach Europa – ach – und in andere Teile der Welt…

Ich ließ mir in einer ruhigen Minute von einem Mitarbeiter schriftlich bestätigen, dass wir auf jeden Fall einen Platz in einer Maschine bekommen würden. Hab das ganze in mein Notizbuch geschrieben und mir von ihm mit Name und Dienstnummer bestätigen lassen. Auf für den Fall dass ich von Kingfisher Regress fordere. Wir waren von 14h – 22h auf dem schei… Flughafen.

In Delhi angekommen hatten wir Zeit, da unser neuer Flug erst um 5h am Morgen gehen sollte.
In Delhi am Flughafen gibt es keine Gepäckaufbewahrung! Angst vor Terror. Wahlmöglichkeiten: in eine nahegelegenes Hotel fahren und dort versuchen die Koffer gegen eine Gebühr zu parken oder halt mitnehmen. Es gab/gibt auch sog. Retired Rooms. Das sind Schlafkabinen, die man für ein paar Euro mieten kann und so die Zeit zwischen den Flügen sich etwas hinlegen kann. Aber durch die Umbaumaßnahmen am Flughafen, gibt’s die Räume derzeit auch nicht.

Wir entschlossen uns die Zeit bis 5h sinnvoll zu nutzen, da an Schlaf auf dem Flughafen nicht so zu denken war.

Prepaid Taxi genommen mit Fahrtziel „Hardrock Cafe New Delhi“. Der Fahrer brauchte ca. 30min. Wir fuhren durch dunkle Gegenden Delhis und ich hab mich mehrfach gefragt, ob der Typ auch wirklich weiß wo er uns hinfährt :-) Aber wie überall in Indien...irgendwie klappts doch...Wir kamen gg. 00.30h dort an. Er bekam die Anweisung mit unserm Gepäck vor der Tür auf uns zu warten und uns später wieder an den Flughafen zu fahren.

Wir also rein – ein paar Kingfisher getrunken, bissele T-Shirts etc. eingekauft - was man so halt in einem Hard Rock Cafe macht...wobei das Cafe in Delhi echt schön ist - da gibts andere...fällt mir das häslichste ein.. das steht in Peking...nicht dorthin gehen..Menschen die Drogen und ihre Körper verkaufen..gibt in China richtig Ärger, wenn man kontrolliert wird...und wieder zurück nach Delhi...nach den Bieren gings dann wieder zurück an den Flughafen - deutlich schneller als 30min - also doch auf der Hinfahrt verfahren gehabt :-)

Den Flug nach Istanbul hatte ich fast durchgehend (ver)schlafen. Wir hatten ja den ganzen Tag in Istanbul zur Verfügung, da unser Flug erst am späten Abend nach Frankfurt gehen sollte. Istanbul empfing uns mit (für uns) sehr kalten 10 Grad. Hab mir erstmal eine Pullover gekauft, da unser Gepäck ja als Transfer am Flughafen blieb.

Es standen dann die Altstadt, Aussichtsturm von Galataysaray, Fähranleger, Blaue Moschee, Hagia Sophia, Zisterne auf dem Programm.

Aufgrund des Fluglotsenstreiks in Madrid gab es auch in Istanbul Verspätungen. Nun, wir waren von Amritsar schon geeicht… Irgendwann spät in der Nacht kamen wir in Frankfurt an und noch später in der Nacht – eigentlich war es schon früher morgen, dann nach 6 Wochen wieder daheim in den eigenen vier Wänden. Schnell ins Bett, da ich ja an dem Tag arbeiten musste….nach 4 Stunden Schlaf ging’s dann ins Büro. Ja was für eine Freude. Kam mir vor wie Falschgeld in einem Tresor...

Der Alltag hat mich noch nicht ganz erreicht.. aber nach bislang 5 Weihnachtsfeiern bin ich wieder angekommen - und hab gestern Abend auf Feier Nr.5 mein Verlangen gestillt, welches mir in Indien die ganze Zeit im Kopf rumging…ZWIEBELROSTBRATEN…lecker


Und nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub. Smile.

Nächstes Jahr wird es einen Blog geben mit dem Titel: www.coco-bei-den-indios.blogspot.com . Man darf gespannt sein was da so los sein wird. Ihr werdet es erfahren :-)

CU