Die letzten zwei Tage Goa waren von durchwachsenem Wetter gekennzeichnet. Heute (9.11.) hat nur geregnet. Nur geregnet bedeutete, dass man sich ungeschützt 20sec dem Regen aussetzen musste um so nass zu sein, wie wenn man aus einer Dusche steigen würde. Aber der Reihe nach..
Der Badetag fand am Agonda Beach statt. Nach diesem Tag wollten wir was erleben und sind wie angekündigt an die Dungshagar Wasserfälle gefahren. Die Fahrt mit dem Scooter dauerte ca. 1.5h durch das Hinterland. Schilder gab es so gut wie keine. Mietfahrzeuge in Indien haben ein gelbes Nummernschild. Der Scooter auch vorne. So können die “Indischen” schon von weitem den Touri erkennen. Was in dem Fall gut war, denn jedes Mal wenn wir an einer Abzweigung anhielten und unsere Karte quälten, hupte schon von hinten ein Fzg. Und die Leute winkten uns auf den richtigen Weg. Zum Schluss haben wir uns nur noch hingestellt und gewartet oder ich bin neben Pkw gefahren und hab die Leute durch das offene Fenster nach dem Weg gefragt. So ergab sich das einen oder andere nette “Schwätzchen”. Die Inder sind brutal neugierig muss man wissen.
Wir kommen in Colem an. Das ist der Ort vor den Wasserfällen. Von hier heißt es, kann man nur mit dem Jeep weiter zu den Wasserfällen fahren (10km schlechte Straßen). Aha, denken wir, das versuchen wir mal selber. Mit dem Scooter bin ich in anderen Ländern schon ganz andere Strecken gefahren Nun, nach ca. 1km war schon Schluss. Der erste Fluss mit ca. 80cm Wasserstand machte der Fahrt mit dem Scooter ein jähes Ende. Also ungedreht und im Ort einen Jeep angeheuert.
Das Teil kostet 1800 Rupien. Hat Platz für 6 Leute. Ok, wir warten und ein russ. Pärchen (es wimmelt in Goa von russ. Pauschaltouristen..) und deren “Freund” aus Goa (der Typ war nur scharf auf die Russin und wollte sie wohl vögeln..hat sich die ganze Zeit an sie rangemacht, wenn ihr Freund/Mann nicht aufgepasst hat..aber das ist eine andere Geschichte )
Wir fahren los. Nach der ersten Flussdurchfahrt (die ist so tief, dass das Wasser durch die Türen in den Fahrgastraum einströmt und die Reifen kurzfristig den Kontakt mit dem Boden verlieren und wir im Fluss treiben ) wird mir klar, dass dies eine sehr außergewöhnliche Fahrt werden wird. Wir durchqueren noch dreimal den Fluss und fahren durch ca. 40cm tiefe Schlammfelder.. Es ist abnormal wie hier auf Material gefahren wird. Auf dem schmalen Waldweg, der sich steil nach oben durch den Urwald schlängelt kommen dauernd Jeeps entgegen, die Fahrtgäste nach unten transportieren… Es geht eng zu. Jeeps bleiben liegen, werden flottgemacht etc… wir kommen nach ca. 1.5h an - fast an. Am letzten Hügel ca. 400m vor dem Ziel geht nix mehr. Keiner der Jeeps kommt diesen Hang mehr hoch. Es ist einfach zu viel Schlamm auf der Strasse. Wir laufen zu den Wasserfällen. Dort sind ca. 100 Leute. Hauptsächlich Inder und Russen.
Die Wasserfälle fallen ca. 600m nach unten. Das indische Wort “Dungshagar” bedeutet so viel wie “Milchschaum” und so sieht der Wasserfall auch aus. Witzig ist, dass sich genau in der Mitte eine große Brücke über die Fälle schlängelt. Es ist die Eisenbahnlinie nach Hampi. Wir werden übermorgen dort fahren…
Unser Pärchen trinkt Wein mit dem “Freund” und alle drei ziehen sich erstmal eine Runde Marihuana rein, dass der “Freund” von einem Inder an einem Colastand gekauft hat. Alle lachen bekifft rum, als ein Fahrer neben mir aufspringt und mit Kleider ins Wasser springt. Unser Fahrer wirft noch etwas weg uns springt hinterher. Ein junger Kerl (Student aus Delhi, Nichtschwimmer) ist in das ca. 5m tiefe Becken um den Wasserfall gerutscht und wie ein Stein untergegangen. Sie ziehen ihn raus. Blaue Lippen, besinnungslos. Ich mache Wiederbelebung bei dem Typ. Er kommt wieder zu sich. Kotzt sich die Lunge frei. Die Aktion hat unserem Fahrer sein Handy und unseren Wagenschlüssel gekostet. Mit Mühe bedankt sich der “Hirni” bei den Fahrern für die Rettung. Ersatz für Handy und Schlüssel lehnt er ab. Aha… Der Fahrer erklärt mir, dass er für die Fahrt 150 Rupien bekommt (2.50 Euro). Er kann 2-3Mal am Tag fahren. Den Rest steckt der Besitzer des Wagens ein. Krass wie stark Lohn und Konsum hier teilweise auseinander gehen. Wir geben dem Fahrer ein gutes Trinkgeld..Nicht nur für seine wirklich guten Fahrkünste, auch für die Rettungsaktion…
Wir gehen und schließen zuerst den Jeep kurz, damit wir wieder wegkommen. Auf der Rückbank versuchte der Inder zu fummeln, der Russe bekommt das mit und es wird kurz laut da hinten Nici und ich unterdrücken nur Mühsam ein Lachen… Kommen nach 1h wilder Abfahrt und heißen Flussdurchquerungen wieder unten an. Die Fahrt mit dem Scooter zurück erscheint richtig langweilig.
Der letzte Tag in Goa ist noch mal Baden angesagt. Wir fahren zur Whale Bay. Dort finden wir einen sehr einsamen Beach Shack, er auch im Lonely Planet aufgeführt wird. Der Besitzer ist sehr nett. Wir sind die einzigen Gäste und bekommen Strandliegen direkt ans Meer getragen
Ich erfahre im Laufe des Tages von dem Mann, dass er seit 2004 hier lebt. Zuvor war er in Palolem (ich hab davon geschrieben). Er meinte, dass er im Juni das erste Mal seit 2004 wieder dort war und nichts mehr erkannt hatte. Er fand noch nichtmal mehr das Haus seines besten Freundes.. Der Ort hat ein anderes Gesicht bekommen. Früher erklärte er mir, als die Hippies noch da waren, gab es kaum Gästezimmer. Die Leute wohnten für 15 Rupien (20ct) bei den Familien im Gästezimmer und aßen bei dem Leuten mit. Heute ist das undenkbar geworden. Auch das Publikum ist mit dem von früher nicht mehr zu vergleichen. Es ist halt wie überall auf der Welt…blickt man nach Ko Sa Mui in Thailand oder Seaunukville in Kambotscha, Mui Ne in Vietnam überall Paradiese die sich im Laufe der letzten 10 Jahre zu Touriszenen von Pauschaltouristen oder Budget-Travelern entwickelten und ihren ursprünglichen Charme verloren.
Am Abend fängt es an zu regnen und hört die ganze Nacht nicht auf. Schuld sei ein Zycon über Sri Lanka höre ich zu dem sehr ungewöhnlichen Wetter.
Heute Morgen wachen wir auf und es regnet immer noch. Lassen uns von einem Taxi nach Margao an den Bahnhof fahren. Dort wollen wir mit dem Zug nach Hampi/Hospet fahren. Nun, wir stellen fest, dass unser Wagen am anderen Ende des Bahnhofs halten wird. Wir laufen zügig los und sind nach 150m bis auf die Haut durchnässt. Als wir endlich im Schutz eines Daches stehen, stellen wir fest, dass wir in die falsche Richtung gelaufen sind. Also wieder zurück. Der Regen ist sehr warm, aber unangenehm. Wer will schon den ganzen Tag nass im Zug rumsitzen. Wir werden es wohl müssen denke ich, den als der Zug einfährt befindet sich unser Abteil doch an einer anderen Stelle wie angeschrieben. Das ist für Indien sehr ungewöhnlich. Wir finden Platz. Mit uns im Abteil sitzen ein Pärchen aus England und ein Pärchen aus Mannheim und noch zwei freche Inder. Ich versuche den anderen klar zu machen, dass wir in der Sleeper Class sechs Liegen haben. Für jeden eine. Wenn wir die abklappen, und jeder liegt auf seine, müssen die Inder weichen. England will sitzen bleiben. Deutschland gibt klein bei. Nach 5h Zugfahrt aber gewinnt Deutschland. Wir klappen um, räumen das Gepäck um. Ich jage die Inder aus dem Abteil und jeder hat eine Liege.
Im Zug selbst wird es einem nicht langweilig. Ca. jede Stunde kommt ein Kontrolleur vorbei und will die Tickets sehen und zeichnet sie ab. Dann steigen singende Bettlerinnen zu, Männer die Tee und Kaffee (5 Rupien, sehr heiß, sehr lecker) in winzigen Bechern verkaufen. Frauen die Snacks, Süsses und Mittagessen verkaufen. Mittagessen bestellt man und an der nächsten Station wird es von außerhalb direkt an den Platz geliefert. Das ist geil.
Und dann sind da noch die neugierigen Inder. Ich hab mich die letzte Stunde mit einem Ingenieur aus einem Kraftwerk auf dem Gang gut unterhalten. Die Zugtüren sind praktischerweise immer offen und die Raucher stehen da und rauchen raus. Ich stand da vorne eine Weile (nein, ich rauche noch immer nicht, aber die Luft dort durch Fahrtwind ist einfach besser).
Karim - so hieß der Inder, lud grad sein Handy an einer Steckdose, die da an jedem Abteilende eingebaut ist. Wir kamen ins Gespräch und unterhielten uns über Gott und die Welt. Ich erfuhr, dass sich auch in Indien das Wetter in den letzten 10 -15 Jahren geändert hat. Im Gegensatz zu unseren immer lauer werdenden Sommern und milden Wintern, wird es in Indien im Winter immer kälter und im Sommer immer heißer. Aha, wieder was gelernt.
Wir kommen in Hospet an und ich kaum noch aus dem Zug. Die verrückten Inder drängen mit Macht in den Zug und ich muss mit Koffer, Rucksack und Tragetüte raus. Also mal so zwei 50kg Männer kurzerhand aus dem Zug gedrückt und ausgestiegen doof eigentlich. Wenn die warten würden, ginge alles viel schneller. Aber so sind sie halt die “Indischen” wenn es um das Reisen geht, immer sehr hektisch.. Auch so was im Flieger zu beobachten. Kaum ist das Ding unten, springt alles von den Sitzen und reißt die Fächer auf. Hallo??? Es sind noch nichtmal die Türen auf…und am Gepäckband trifft man sich sowieso wieder… aber hier sind die meisten Deutschen auch nicht besser …
Am Bahnhof finden wir einen Rikschafahrer der uns direkt von Hospet nach Hampi fährt. Finden dort ein gutes Gästehaus mit AC und Moskitonetz über dem Bett. Hampi hat auf ca. 26km lauter Tempel verstreut. Diese sind ca. 500 Jahre alt. Um Hampi herum ist das Gelände durch goldbraune ca. 10 - 18m große Steinbrocken gekennzeichnet. Das sieht sehr irreal aus. Der Ort strahlt eine sehr große Ruhe und Gelassenheit aus.
Wir erklimmen einen Hügel und sehen der Sonne zu wie sie über den Steinen und Tempeln untergeht. Sehr schön…das ist Indien!!
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