Nach etwas Sport auf der Hotelterrasse (Body Combat) ging´s erstmal zum Frühstück. Nach nur 40min waren wir platt. Der Planet brannte bereits um 8h so stark, dass an ein Powerprogramm nicht zu denken war. Wir treffen noch kurz den Polizisten von gestern und fahren mit dem 303er Bus, der alle 20min den Brindavan Garden anfährt nach Mysore. Wir besichtigen den Palast von Mysore.
Zuerst müssen wir aber unsere Kameras abgeben. Es ist im Palast verboten zu fotografieren. Bilder dürfen nur von außen gemacht werden. Sehr imposant! Googelt das Teil mal. Als wir drin waren ist mir echt die Spucke weggeblieben. So etwas prächtiges habe ich noch nie gesehen. Der Palast wurde im indo-sarazenischen Stil Ende des 18.Jhd gebaut. Er hatte schon Strom - was damals das modernste war. Nachts wurde er von 97.000 Glühbirnen erleuchtet. Im Innern befinden sich Türen, welche komplett mit Silber beschlagen und feinste Silberarbeiten aufweisen. Große Säle die mit Säulen in rot/grün/gold gehalten wurden und durch riesige Spiegel an den Wänden noch einmal optisch vergrößert wurden. Farbige Fensterscheiben lassen ein warmes, schönes Licht im Palast erscheinen. Wenn man sich 1001 Nacht vorstellt, dann genau so!
Die “Indischen” spielen verrückt. Es ist ein Geschrei und ein Geschiebe in dem Palast, dass man den Audio-Guide (den es in deutsch gibt) kaum verstehen kann.
Gehen von dem Palast erstmal in ein Cafe um eine “Berieselungspause” einzulegen. Anschließend fahren mit einer Rikscha zu der staatl. Sandelholzölfabrik und staatl. Seidenfabrik in Mysore. Mysore ist genau für die beiden Produkte sehr bekannt - Seide und Sandelholz. In der Fabrik bekommen wir eine exklusive Führung. Ich muss feststellen, dass die Produktion des Sandelholzöls mit Maschinen vorgenommen wird, die 1934 und 1917 errichtet wurden. Für einen Arbeitsprozess zur Herstellung von Öl werden 6 Tonnen Kohle benötigt. So wundert es kaum, dass 5ml reines Sandelholzöl an die 10 Euro kosten.
Weiter ging´s zur Seidenfabrik. Dort hat es uns überhaupt nicht gefallen. “Not my style” hab ich sehr oft sagen müssen.
Wir besuchen hinterher noch den Chamundi Hill - eine Erhebung von ca. 1000m.. Es ist einer der 8 heiligsten Berge von Indien. Oben steht ein Tempel. Die Aktion haut mich nicht gerade vom Hocker… Die Aussicht auf die Ebene um Mysore ist nicht schlecht, das schöne Wetter und das mittlerweile milde Licht des späten Nachmittags versöhnen mich wieder. Es geht noch über den Basar, wo es unzählige Stände mit Früchten, Blumen und Farben zu bewundern gilt. An einem Geschäft für Seide bleiben wir schließlich hängen. Ich setz mich hin und lass mich berieseln. Ich glaube zum Schluss lagen da 200 Schals auf dem Tresen auf ca. 8m. Grinz. Einige fanden aber auch den Weg vom Tresen in eine Tasche und gingen mit uns auf die Reise
Wir fahren mit dem Bus zurück ins Hotel, vergaßen aber, dass BRINDAVAN GARDEN - da wo unser Hotel ist, DASS Ereignis für Inder ist. In unzähligen Bollywoodfilmen kommt der Garten als Hintergrund vor. Da müssen natürlich alle Inder hin. Zu berühmten Filmmusiken wird dann einen Lightshow und Wassershow mit Springbrunnen vorgeführt. Jeden Abend sind da bestimmt über 5000 - 8000 Menschen in dem Park. So ist der Bus hoffnungslos überfüllt und ich muss die ganze Zeit stehen. Ich steige am Anfang vorne in den Bus ein. Mir fällt auf, dass die ganzen Männer hinten sind und mich blöde anglotzen. Ich erfahre, dass nach Einbruch der Dunkelheit in Bussen die Männer hinten und die Frauen vorne sitzen. Also muss ich nach hinten gehen.
Mir geht’s gesundheitlich wieder besser. Nici hat dagegen nun Magenprobleme. Aber ich glaube, dass ist in Indien normal.
Heute ist Reisetag durch halb Indien! Ich sitz grad im Flieger und lass den Tag Revue passieren...hack meine Gedanken ins Laptop..
Aber von Beginn… Stehen spät auf und kommen nicht so richtig in die Gänge. Beim Auschecken vergisst Nici ihre Kreditkarte an der Rezeption. Wir befinden uns zu dem Zeitpunkt schon ca. 1km entfernt an einer Bushaltestelle. Ein Security des Hotels kommt auf uns zu und teilt mit, dass die Karte an der Rezeption liegt. Nici rennt los. Ich warte beim Gepäck. Nach kurzer Zeit kommen Nici und die Karte zurück - aber kein Bus in Sicht. Wir warten 50min!!! - die Zeit läuft uns davon - dies werden wir im Laufe des Tages noch öfters spüren. Nach ca. 5min Busfahrt steigt eine ca. 50köpfige Schulklasse 14-15jähriger Jungs und Mädels ein. Der Geräuschpegel steigt auf unerträglich. Natürlich bleiben diese die ganze Stunde im Bus bis dieser in Mysore mit Verspätung ankommt. Die Zeit läuft erneut… Wir laufen zum Busbahnhof für Fernverkehr. Erwischen einen AC Bus, der für 170 Rupien nach Bangalore fährt. Es ist ein deutlich älterer Bus, wie der mit welchem wir von Bangalore kamen. Dieser hatte Getränk und Tageszeitung parat. Der hier nix außer ein paar Überraschungen.
Ich frage den Fahrer wann wir in Bangalore ankommen - es ist 13h als wir losfahren. Er meint “Three” und meint damit wohl wie lange der Bus unterwegs ist. Ich frage ihn - “Non Stopp” er “Yes, Sir”.
Um 14.30h machen wir Pause. Soviel zu Non Stopp. Als wir losfahren stell ich fest, dass wir genau die Hälfte der Strecke geschafft haben. Kurze Zeit später hält der Bus und der “Schaffner” geht kurz hinter den Bus. Nach weiteren 5min Fahrt und einem Halt, geht der Fahrer nach hinten. Ich sag´ zu Nici, dass hier was nicht stimmt - und richtig, nach nur einer kurzen Fahrt von 10min, hält der Bus erneut, nun für immer. Den der Motor ist am Arsch. Wir raus aus dem Bus und dem Fahrer klargemacht, dass ein Flugzeug in Bangalore nicht auf uns warten wird, wenn wir später wie 17.30h am Flughafen sein sollten.. Der Fahrer hält kurzerhand den nächstbesten Bus an (wir befinden uns auf der Autobahn) und alle Fahrgäste steigen in den neuen Bus ein. Der ist noch älter als der bisherige und hat gar keinen Komfort. Egal, Hauptsache wir kommen an. Wir ärgern uns, dass wir nicht gleich vom Hotel ein Taxi zum Busbahnhof genommen haben. Das hätte uns heute 1,5h gespart und jeden Menge Stress.. Aber es sind die Relationen, die einem manchmal zu Fehlentscheidungen bewegen oder an der falschen Stelle sparen lassen. Uns hat der Preis von 500 gegenüber 24 Rupien einfach das Gehirn irgendwie vernebelt, anders kann ich es nicht beschreiben. 500 wären 8 Euro - für eine Strecke von 20km für uns ob. 24 Rupien sind 40ct….
Aber so ist das halt… wir kommen um 16.30h am Busbahnhof in Bangalore an. Dort fahren keine Taxis zum Flughafen - der übrigens 35km vor den Toren der Stadt liegt. Also mit Rikscha zum nahegelegenen Bahnhof gefahren und ein Taxi gesucht. Der Fahrer wittert fette Beute und nützt unsere Not aus. Er will 900 für die Fahrt. 600 wären normal. Diesmal schalte ich mein Hirn ein und stelle fest dass die 300 (5 Euro) mehr, die Kosten für den Flug und das bereits in Kalkutta gebuchte Hotel nicht ausgleichen. Wir fahren los. In Bangalore herrscht Verkehrschaos. Ich muss erneut feststellen, dass Indien die schlechtesten Straßen der Welt hat. Was es hier an Schlaglöchern, Bodenwellen, kaputten Asphalt gibt, findet man nur im Irak oder Afghanistan - und dort herrscht oder herrschte Krieg.. Ich erhöhe mein Angebot auf 1000 Rupien, wenn der Fahrer es bis 17.30h an den Flughafen schafft. Er gibt Gas… fährt auf der dreispurigen Straße rechts und links an Autos, Lkw, Mopeds, dummen Kühen die blöd glotzen vorbei…
17.25h, wir sind noch 9km vom Flughafen entfernt. Meine Hoffnung den Flieger zu erreichen schwindet. Irgendwie ist heute der Wurm drin.
17:40h. Wir sind am Flughafen angekommen. Der Fahrer bekommt seine 900 und im Laufschritt zum Eingang. Hier die bereits bekannte Prozedur - E-Ticket vorzeigen, Pässe vorzeigen, E-Ticket Name mit Pass vergleichen und dann darf man rein. Im Laufschritt zum Terminal von INDIGO.
17.45h wir können noch einchecken. Puhh - aber es ist bereits boardingtime. Also im Laufschritt zum Securitycheck. Ich drängle mich an der Schlange vorbei nach vorne. Nici muss extra gehen. Frauen und Männer sind in Indien immer getrennt zu untersuchen. Bin relativ schnell durch. Nici hängt in der Schlange fest. Ich renne zum Gate und stell fest, dass da noch nix geht - oder sind schon alle im Flieger??? Frag nach und erfahre, dass erst um 18:10h geboardet wird. Geschafft!!!!! Ich nehm mir die Zeit und geh noch in den Dutyfree Bereich, da der Flughafen in Bangalore International und Domestic vereint (das ist nicht in jeder Stadt so..Mumbai hat zB zwei Flughäfen..). Kann dort das Parfüm kaufen, dass ich so dringend für die Tiger brauche. Bekomm es noch mit 40% Discount. Hallo?? Hat der Tag eine Kehrtwende gemacht und läuft so aus, wie er begonnen hat - friedlich und ohne Pannen?
Sitz nun im Flieger. Sind gerade in Chennai am indischen Ozean zwischengelandet und befinden uns nun auf dem Weg nach Kalkutta. Das Wetter draußen ist stürmisch. Sind alle angeschnallt und werden durchgeschüttelt. Mein Hemd trocknet auch langsam. Ich glaube ich hatte bislang noch keinen Tag in Indien, wo ich nicht ein Shirt, Polo oder Hemd durchgeschwitzt habe. Hatten gestern mit Deuschland geskypt und festgestellt, dass man dort grad dicke Pullis trägt. Daran will ich jetzt aber gar nicht denken.
Morgen stehen die touristischen Sehenswürdigkeiten von Kalkutta auf dem Programm. Wir haben via Internet das Hotel Astor nahe des Parkes “The Maiden” (BBH) im Zentrums Kalkuttas gebucht. Haben aber bislang keine Bestätigung erhalten. Würde ja passen, wenn das Hotel ausgebucht wäre
The Maiden ist ein ca. 4km langer Park. Er ist für Kalkutta das was der Central Park für New York darstellt. Seine grüne Lunge. Da bin ich mal gespannt.. Kalkutta oder Kolkat wie die Inder es nennen, ist die zweitgrößte Stadt in Indien und vereint neben Slums auch ultramoderne Shoppingmalls. Habe an einer Stadtkarte ausgemessen, dass die Stadt zw. 16 und 18km groß ist. Schätze, dass eine Durchfahrt mit Taxi, Bus und Metro ca. 1Stunde dauern wird.
Im nächsten Post werde ich von der Ankunft in Kalkutta und den Sehenswürdigkeiten berichten. Ich hoffe, dass ich auf meinen Blog zugreifen kann - das ging in den letzten drei Tagen ja gar nicht. Grüße aus 8000m Höhe..irgendwo in Südwestindien…coco
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