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Mittwoch, 17. November 2010

Sunderbans Tigerreservat 14-.16.11.2010

Wir haben uns lange überlegt wie wir ins Gebiet um die Sunderbans gelangen könnten, um dort eine Tigersafari durchzuführen.

Der Weg dorthin ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln äußerst schwierig. Daher fiel die Entscheidung eine geführte Tour zu machen relativ einfach, wenn dies auch Abstriche in der Individualität einer solchen Reise macht. Aber einen “Tod” muss man halt sterben…

Die Entscheidung fiel auf eine Agentur, welche direkt mit dem Sunderbans Tiger Reservation - das ist eine Abteilung der staatlichen Forstbehörde, zusammenarbeitet. Das Paket für 2 Übernachtungen war leider ausgebucht, so dass wir nur 2 Tage mit einer Übernachtung buchen konnten. Das ganze wurde für 105 Dollar angeboten und erschien recht billig.

Wir trafen uns im Süden von Kalkutta an einem sehr bekannten großen Kino. Als wir ankamen wartete der Bus schon. Wir hatten zu viert eine 20 Sitzer Bus für uns. Es kamen auch keine anderen Gäste mehr dazu.

Die Fahrt in die Sunderbans dauerte ca. 3h. Unterwegs hielt der Bus am Strassenrand, da er eine Reifenpanne hatte. Der Reifen wurde kurzerhand abmontiert und vor Ort geflickt. Der Fahrer hielt hierzu direkt vor einem verfallenen Zelt. Das Zelt stellte sich als Reparaturwerkstatt heraus. Diese wurde auf dem Asphalt der dreispurigen Autobahn durchgeführt. Im Zelt befand sich sogar ein Notstromaggregat, welches dann einen Kompressor betrieb, damit die Luft in den Reifen gepumpt werden konnte. Ich kann immer nur wieder staunen, wie die Inder unter welchen Bedingungen arbeiten oder Sachen reparieren…

In den Sunderbans angekommen fuhren wir noch weitere 2h mit einem größeren Boot, bis wir an unserem Ziel dem Tiger Camp ankamen.

Wir besuchten noch am späten Nachmittag einen Watch Tower. Ich fand dies aber einen Witz, da der Tower ständig von Leuten besucht wird, er in einer Anlage liegt, wo Leute wohnen, großer Lärm herrscht. Da kann man im Leben keinen Tiger sehen.

Am Abend wurden wir vor dem Essen zu einer Folkloreveranstaltung genötigt  insgesamt befanden sich 14 Tänzer/innen und drei Musiker auf einer Bühne und führten indischen Dorftänze auf. Wir waren ganze 6 Leute im Publikum. 2 ältere Franzosen, die sich keine Sekunde bewegten (ich hatte schon Angst, sie wären an einem Bolustod gestorben..) und zwei Aussis (auch älter) die sich ab und zu bewegten, aber auch sonst nicht viel Leben zeigten. Und wir zwei. Ich hab dann wenigstens immer zum Schluss geklatscht und gelacht, damit die Leute etwas Zuspruch erhielten. Die Sache war so peinlich, dass es schon wieder witzig war, das Ganze mitzumachen.

Nun auch das überstanden wir gut. Was aber dann kam, hat mich ganz schön auf die Palme gebracht…Freiheitsberaubung im Urlaub!!! Wir wollten nach dem Essen ein wenig auf dem Weg vor dem Resort spazieren gehen und ein paar Bilder vom Fluss im Mondschein machen. Es war sternenklar und der Mond schien hell. Nun, die Tür vom Ressort nach draussen war abgeschlossen. Der Kommentar: It´s not allowed for foreigners to go outside after 8 o´clock. It´s against the law… Haaallloooo???

Ich hab dann noch mal nachgefragt, welches Law (Gesetz) es verbietet nach draußen zu gehen. Ich beweg mich ja in Mumbai und Delhi/Kalkutta ja auch deutlich nach 20h draußen. Das konnte mir dann keiner sagen. Es wurde nur verlegen gelacht.

Es wurde mir dann spaeter mitgeteilt, dass es eine Reservatsregel wäre. Ok,sagte ich, aber wir sind nicht im Reservat. Dieses ist auf der anderen Flussseite. Ich sagte, dass ich mich wie im Gefängnis fühle. Es half alles nix. Ich durfte nicht raus.

Die Jungs hatten nur Schiss, dass dem doofen Europäer irgendwas passiert. Dass ihm vielleicht eine Kobra über den Fuß läuft, oder er sich verirrt oder was weiß ich. Nici hat sich totgelacht.

Sie meinte nur: “Das was ich mich nicht traue - Dich in deiner Freiheit zu beschränken, dass machen grad ein paar “Indische” mit Dir.”

Ich fand das nicht witzig.
Hab mir echt ueberlegt, ob ich gegen das Resort und die Waechter Strafanzeige wegen “Freiheitsberaubung im Urlaub” stelle :)

ich kann mir schon die Aufregung auf der indischen Polizeistation vorstellen, wenn ich da auftauche.


aber das ist mir mittlerweile zu doof. Am naechsten Morgen wurden wir um 5.30h mit einem Morgentee geweckt. 6.30h war Abfahrt. Es herrschte totaler Nebel. Sicht 10m!! Es war total still und echt klasse so im Nebel durch die Mangrovenwaelder zu fahren.

Wir sahen eine Menge Kingfisher (Eisvoegel) fliegen. In den Sunderbans gibts es wohl an die 80 Arten von Eisvoegeln. Weiter haben wir Warane und Affen gesehen. Mehrere Salzwasserkrokodile und ein Wildschwein. Jede Menge Rehe und ah – der Tiger. Den haben wir leider nicht gesehen. Was wir gesehen haben waren Spuren. Erst ein paar alte Stapfen…da war schon Wasser drin.. dann aber Spuren von 2 Tigern. Die Jungs waren sehr aufgeregt. Sie meinten weniger als 1h. Vielleicht sogar nur Minuten und die beiden Tiger wurden durch den Schiffsmotor gestoert.

Wir waren dann auch auf zwei Beobachtungstuermen und haben von dort versucht Wild zu beobachten. Nun – die durchschnittliche Zeit auf so einem Turm betrug 20min. Da kann man nicht viel sehen… Wir waren zwar nur zu viert (Aussipaar und wir).. aber wenn der Herr Aussi von Down Under meint, er muss zum Tierbeobachten ein ROTES POLO anziehen..vor allem weil in der Natur ROT so oft vorkommt….dann waren die Chancen NULL. Es war gut zu beobachten wie die wenigen Warane und Rehe sofort in den Busch sprangen als Mr. ROTSHIRT den Beobachtungsturm betrat. Natuerlich hat er sich auch nicht in die Ecke gestellt oder geduckt. Nein – er stellte sich so hin, dass sein Shirt weit sichtbar war…:) man man man..


Um Tiger zu sehen muss man im Dez oder Jan dorthin fahren und mehrere Tage bleiben. Man muesste sich ein Boot selbst mieten (nicht so teuer) und mit einem Guide die Fluesse abfahren. Es gibt einen Turm an welchem die meisten Tiger bisher gesichtet wurden. Dort muesste man im Morgengrauen sein, wenn die Tiere zum trinken kommen.

Ich konnte meine Geheimwaffe gar nicht spruehen. Ich hab mit dem Chefguide gesprochen – er kannte meine Geheimwaffe und verbat mir diese zu verspruehen. Er meinte das waere zu gefaehrlich. Die Tiger wuerden nicht mehr gehen!! Wir wuerden den Tower nicht mehr verlassen koennen ohne die Tiere zu betaeuben oder gar zu toeten. Es waere ausserdem verboten (wie alles in Indien)..smile.


Fazit:

Wir haben den Ausflug trotz allem sehr genossen. Die Natur im Gangesdelta mit seinen Mangrovenwaeldern ist wunderschoen. Die Sunderbans stellen mit ihren 57qkm eines der groessten Flussdelta der Erde dar. Bangladesh ist nur 25km entfernt. Dies ist an den Menschen feststellbar. Die Inder hier sprechen alle nur Bengal. Kein Englisch oder Hindi. In den Schulen wird auch nur Bengal gelehrt. Vom optischen sind die Menschen recht klein und zierlich und sehen gegenueber den grossen Indern von der Ostkueste um Kerala gar nicht aehnlich. Auch interessant.

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