Wir waren vom 21.11. - 29.11.10 in West Sikkim zum Trekken wie man so schoen sagt. Um nach Sikkim zu kommen braucht man erstmal eine Genehmigung - obwohl der Bundesstaat zu Indien gehoert, hat er doch einen Sonderstatus. 1975 wurde er von Indien einverleibt - ansonsten haetten das wohl die Chinesen gemacht. Sikkim ist ca. 45x70 km gross und liegt zwischen Nepal, Tibet (China) und Buthan eingebettet im Hochland des Himalaya.
Die Entfernung von Darjeeling betraegt ca. 50km zur "Grenze". Dort bekommt man einen Einreisestempel, wenn man seine Genehmigung vorgezeigt hat (diese ist kostenlos ueber bestimmte Aemter erhaeltlich und gilt 15 Tage). Von der Grenze zum Ausgangsort des Treks sind es nochmals knapp 40km.
Fuer den Teil 1 braucht man ca. 3 Stunden und fuer den Teil 2 ca. 2,5h in einem Taxi. Die Strassen (man kann das eigentlich nicht Strasse nennen, auf was man sich da bewegt) verlaufen nur in Serpentinen. Das Land besteht nur aus sehr hohen Bergen und tiefen Taelern.
So ein Taxi ist eine lustige Sache...die Dinger sehn alle wie so ein Mercedes G Gelaendewagen aus. Insgesamt sitzen da neben dem Fahrer 12 Personen drin. Neben dem Fahrer als 3 (der sitzt dann auf einer Arschbacke und faehrt..) hintere Bank 4 und im Heck auch nochmal 4..manchmal auch 5 und auf dem Dach neben dem Gepaeck weitere "Kurzreisende"..
Die Fahrt kostet 100 Rupien. Man ist als Auslaender mit langen Beinen gut beraten sich gleich 2 oder 3 Sitze zu kaufen, so kann man einigermassen bequem fahren. Und man muss diese Sitze dann auch verteidigen, da manche Inder das nicht einsehen wollen, dass im Taxi noch Platz ist, der Fahrer aber niemand mehr mitnehmen will..
In Yuksom angekommen, geht der Trek dann los. Yuksom besteht aus ca. 10 Haeusern. Zu beginn des Treks betrachtet man das Dorf als ein Kaff, kommt man zurueck, ist man von der "Lebendigkeit" den Autos und dem Laerm uberwaeltigt.smile..
Man steigt von 1900m auf 2900m auf. Am naechsten Tag weiter auf 4030m nach Dzongri. Dort bleibt man einen Tag zur Gewoehnung. Weiter gehts dann auf eine Hochebene bei Lamuni (4300m) von dort gehts auf den Gochela Pass (5100m). Hier steht man dann am Fuss des Kanchenzonga, der mit 8586m der dritthoechste Berg der Welt ist. China ist dann nur noch ca. 3km entfernt.
Man schlaeft in der ersten Nacht (wenn man Glueck hat) in einer Huette. Ansonsten schon im Zelt. Die Huetten dort kann man sich so vorstellen. Leere Raeume, kaputte Fenster, dreckige Rosshaarmatratzen,welche auf dem Boden liegen. keine Betten, kaputte Tueren. keine Heizung.
Warum das so ist, kann ich nicht verstehen. Im nahen Nepal hab ich so was nie erlebt. Huetten aehnlich wie in den Alpen..
Oder im Zelt...das bedeutet: duennste Isomatten (4mm) und einen leidlichen Schlafsack bis ca. -10Grad. Einigermassen gute Zelte.
Nachts war es bei uns zw. 10 - 15 unter Null. Ab Dzongri war man ueber den Wolken. Das sah phantastisch aus. Die einzelne Berge ragten wie Inseln aus einem Meer aus Watte. Sonne von 6.30 - 16.30h. Ab 17h Dunkel und kalt. Nach dem Trekziel des Tages verbrachte man die Zeit im Schlafsack oder wenn noch Zeit vorher blieb in der Sonne. Einen Sonnenaufgang im Himalaya sollte man unbedingt sehen..die Farbe der Berge wandelt sich von flieder in rosa und in strahlendes weiss...einzigartig..
Nachts gab es einen Sternenhimmel der ebenfalls kaum zu ueberbieten war, da kein Umgebungslicht einer Stadt, keine Umweltverschmutzung, das Himmelslicht truebt. Man kann die Milchstrasse erkennen. Es sind zig tausende Sterne am Himmel zu sehen, Sternschnuppen, welche ueber den 6000 bis 8000m hohen Bergen runtergehen...
Die Gegend ist so abgelegen, das man noch nichtmal Flugzeuge am Himmel sieht. Einfach nichts. Und darin liegt auch die Gefahr des "Treks". Der Trek war und ist eine Expedition, das muss man sich klar sein.
Es gibt kein Telefon, kein Funk, keine Hubschrauberlandeplaetze - und auch keine Hubschrauber, die einem helfen, wenn man in Not geraet.Man muss sich in allen Lagen selber helfen koennen. Minimum muss man mind. 1 Tag aushalten bis ueberhaupt jemand informiert worden ist (wenn man Glueck hat). Wann dann diese Hilfe kommt, ist fraglich.. Das kann sehr lange sein, wenn man z.b. den Fuss gebrochen hat...hoehenkrank ist etc...und kann auch oft zu spaet sein.
Zur Verpflegung hat man einen Koch dabei, welcher alle Mahlzeiten zubereitet. Das Material wird auf Yaks transportiert. Dafuer gibts einen Yak-Mann, der die Viecher antreibt..der Koch wird von einem Kuechenhelfer unterstuetzt und der Guide (den man immer braucht) durch einen Helfer. Also hat man 5 Mann im Schlepptau...
Ich selbst bin den Naechten fast verreckt...Trotz 2 Isomatten und einer Flasche mit heissem Wasser im Schlafsack, zwei Lagen Kleidung, unter der Isomatte alle alten Klamotten ausgebreitet, war nur ca. 2Std an Schlaf zu denken. Hab nur gefroren. Der Boden mehr als uneben. Die Yaks mit ihrem Kuhglocken nur einige Meter entfernt am Boden...
Am Tag war alles vergessen. Waerme und Schoenheit der Berge haben fuer die Nacht entschaedigt. Aber nach der 4. Nacht unter akutem Schlafmangel hat man nicht mehr soooo Bock wie zu Beginn der Tour. Nici und ich haben beschlossen den Trek um einen Tag zu verkuerzen. Wir haben die Tagesetappen verlaengert und so einen Tag rausgelaufen. Hatten festgestellt, dass wir wohl ziemlich fit sind. Von allen Gruppen sind wir am Morgen immer die letzten gewesen, welche gestartet sind...wir waren aber auch dann im Schnitt immer 2/3h vor allen anderen da :)
Eigentlich unverstaendlich welche Leute sich da den Berg hoch schleppen. Ein Beispiel: Paar aus Singapore und 4 Inder aus Mumbai...Beide Gruppen standen um 2.30h! und 3h! in der Nacht auf, um am Morgen auf dem Pass zu sein (16km Wanderung, 800 Hoehenmeter). Nici und ich sind am Morgen nach dem Fruehstueck (7.45h) los und waren um 11.15h oben. Also wir oben waren, sind beide Gruppen gerade nach 30min Pause wieder abgestiegen...ich hab gar nicht gesagt, wann wir los sind :) unser Guide war mit uns teilweise ziemlich gefordert um mithalten zu koennen. Nur gegen den Koch hatten wir keine Chance..der ist teilweise mit 30kg Kueche auf dem Buckel einfach davongerannt...jeder hat immer irgendwo seinen Meister ;)
Vorgestern nacht dann erstmals wieder eine Huette (siehe oben) in welcher ich dann mal 5h am Stueck hab schlafen koennen..egal wie dreckig und was fuer Matratzen es da gab. Handtuch drueber und Augen zu..was fuer ein Genuss... Dann gestern in Yuksom ein Bett und eine DUSCHE..erstmals nach 8 Tagen...ok..es gab Waschschuesseln und teilweise hab ich mich im kalten Gebirgsbach gewaschen. Aber nach dem Versuch dort meine Haare zu waschen, wobei mein Duschbad vor Kaelte des Wassers nicht schaeumen wollte und ich dachte mir brennt es die Kopfhaut weg, so kalt war die Bruehe.. hab ich es gelassen und nur noch Katzenwaesche mit der Wasserschuessel gemacht. Diese hab ich irgendwann bemerkt, wurde mit dem Restessen den Yaks als Fressnapf vorgesetzt.. man merkt, das ganze war echt kein Spass, jedes Ausruestungsteil wurde mehrfach und optimal verwendet..
Heute dann die Rueckfahrt (siehe oben) Teil 1 ging gut... 4 Platze fuer 3 Leute (Nici, Guide und ich) gekauft, Teil 2 schlecht... nichts mehr frei. Also wir in Darjeeling ankamen, hab ich in beiden Beinen kein Gefuehl mehr. konnte am Anfang gar nicht aussteigen... warum macht man so was in seinem Urlaub???
Im Teil 1 sassen die besagten Inder (siehe oben) mit im Auto. Alle ziemlich dick. Vorn 2 und ein weitere Fahrgast...Fahrer sass wieder auf der halben Arschbacke..hinten 5! Leute.. 2 US Boys, 2 dicke Inder (siehe oben) und eine Frau (Kurzreisende)..deren Mann auf dem Dach. Dazu unser Gepaeck und bestimmt 5 Riesentaschen der Kurzreisenden...wie der sich da oben hat halten koennen, bei den Schlagloechern und Kurven..keine Ahnung...wenn der gefallen ware..keine Chance. Neben der Strasse gings so steil runter.. da haette sich jeder beim Fall aufgeschaukelt und waere immer weiter geflogen...Gilt auch fuer ein Auto..verlassen der Fahrbahn...Ende der Reise fuer alle Insassen und zwar fuer immer! Aber ich muss sagen, die Fahrer fahren sehr vernuenftig und gewissenhaft..und vor allem die koennen wirklich gut fahren!
Weiter mit den Indern und Teil 1 der Fahrt:
Die Inder maulten rum und wollten unseren 4.Platz besetzen..da im Auto eine qualvolle Enge herrschte - nur bei uns war Platz.grinz. aber nein!! ich hab ganz boese den Platz verteidigt!! Zahlt ist zahlt wie der Schwabe sagen wuerde...ist doch nicht mein Problem, wenn der Taxifahrer mehr Leute mitnimmt als er Plaetze hat...
Sind heute wieder im Dekeling Hotel in Darjeeling abgestiegen. Werden hier bis 2.Dez bleiben. Wollen morgen mit dem Toy Train (google it) fahren... am 2. gehts mit dem Flieger nach Delhi und weiter nach Amrizar - das liegt an der Pakistanischen Grenze oben bei Kaschmir.
Dort ist der Goldene Tempel! (auch mal in Google die Bilder anschauen) den muss man sehen - hat ja glaube ich auch mal in einem James Bond Film mitgespielt (Occtopus oder so..). Mal sehen was es bis uebermorgen noch so zu berichten gibt..
gruesse aus Westbengalen/Darjeeling
coco
Hallo Nici und Thomas, beim Lesen dieses Berichtes habe ich zwei Gefühle, 1. Neid, 2.Gut dass ich das nicht mehr machen könnte.
AntwortenLöschenAber im Ganzen ist es sicher toll gewesen. Ich suche fast jeden Tag nach neuen Berichten von Euch und Thomas kann das auch so prima aufregend erzählen. Ich habe fast mit Euch im Zelt mitgefroren und den Platz im Jeep mit verteidigt geschweige denn die tollen Lichter am Morgen im Himalaya. Kommt gut Heim und genießt den Rest der Tour.
Christian